Samstag, 30. Juli 2016

Bärentrek abgewandelt, durchs Berner Oberland ins Wallis


Der Bärentrek und die  Hintere Gasse sind Fernwanderungen von Meiringen nach Gsteig entlang der Hochgebirgskette über verschiedene Übergänge. Die Strecken sind heute in der Via Alpina integriert und werden auch als Package angeboten. Ich hatte davon gehört und wollte diese Strecke auch einmal zurücklegen. Wir entschlossen uns aber zu einigen Abänderungen. So starteten wir nicht in Grindelwald, sondern auf der Schynige Platte.


1. Tag Schynige Platte - Grindelwald


Am Montag gings um elf Uhr auf der Schynige Platte los, leider schon in den Wolken. Dafür war die Temperatur zum Wandern sehr angenehm. Unsere Gruppe: Dorothy (neu dabei), Geri, Lisa, ich.
Wir gingen auf dem bekannten Wanderweg Richtung Faulhorn - First.





Am Nachmittag erreichten wir den Bachsee, leider war vom weltberühmten Panorama Eiger-Mönch-Jungfrau nichts zu sehen.


Daher hier ein Bild im Winter, wo ich zum Schlitteln vom First zum Faulhorn wanderte.


So wäre das Panorama.
Danach stiegen wir in die First-Seilbahn und gondelten nach Grindelwald hinunter, wo wir im Hotel Glacier abstiegen und auf der Terrasse des Hotels Kreuz&Post erstklassig assen. Der Kellner Christian widerlegte das Vorurteil des langsamen Berners aber gründlich - er war zackig und speditiv und verzieh mir sogar, dass ich Grindelwald mit Adelboden verwechselte.


2. Tag Grindelwald - Mürren

So zeigte sich das Panorama am nächsten Morgen.



Wir stiegen mit der Bahn bis zur Station Alpiglen, von wo wir den Eigertrail begehen wollten. Da aber Nebel den Pfad verhüllte, nahmen wir die Alpstrasse Richtung Kleine Scheidegg.



So hatte man mehr vom berühmten Panorama. Der Aufstieg war sehr angenehm.
Dann kam der Kulturschock auf der Kleinen Scheidegg:


Hier ist das Epizentrum des Tourismus in der Schweiz, dicht gefolgt vom Schwanenplatz in Luzern. Wir assen aber gut und günstig und sahen dabei den asiatischen Reisegruppen beim durchorganisierten Einstieg in die Jungfraubahn zu.


Auch die Eigernordwand zeigte sich gelegentlich.


Wir wählten den Weg Richtung Wengener Alp. Das Panorama war überwältigend, wirklich Top of Europe.


Der Weg Richtung Wengen war sehr schön zu gehen, dabei konnte man einige Schlüsselstellen der Lauberhornabfahrt von Nahem bestaunen.



Auf der gegenüberliegenden Talseite erkennt man schon unser Tagesziel - Mürren (oder Mirren, wie die Oberländer sagen).


Nach einer Mittagsrast in Wengen, wo uns der freundliche Kellner erklärte, dass er zum Vergnügen nach der Pensionierung hier arbeite, stiegen wir auf dem alten Weg nach Lauterbrunnen ab, ca. 480 Hm hinunter.


Aber auch noch diese Wand hoch wollten wir nicht laufen, so nahmen wir die Seilbahn nach Grütschalp, marschierten dann in den beginnenden Regen und stiegen später doch noch dankbar in das Züglein nach Mürren. Hier angekommen, erwartete uns im Hotel Alpina auf dem Balkon dieses Panorama:




Dazu ein ständiges Rauschen der vielen Wasserfälle im Tal, es war in der Tat berauschend.
Wir konnten uns kaum sattsehen, gingen dann aber doch noch ein Fondue essen.


3. Tag Mürren - Sefinenfurgge - Griesalp

So zeigte sich das Lauterbrunnental am Morgen.



Aufstieg Richtung Rotstockhütte, der Weg war gut zu gehen, die Sicht perfekt.




Blick zurück auf Mürren


Wir erreichten die Rotstockhütte und machten Pause, dabei trafen wir einen Mitwanderer, der sich uns anschloss.


Über dieses Hochmoor lief man wie auf einem weichen Teppich.


Da mussten wir hinauf, man sieht in gerader Linie die Wanderwegzeichen, der Weg schlängelt sich hinauf, es ist sehr steil.


Geschafft!


Der Aufstieg ist steil und besteht aus rutschigem Geröll, zum Glück lag kein Schnee mehr.


Nach kurzer Rast ging es über diese Treppe hinunter.


Dann wieder Geröllhalde, aber weniger steil. Das Wetter wechselte ständig, es war Tenüwechsel angesagt.


Schon zeigte sich wieder Grün.


Dieses Kalb scheint mit sich und der Welt zufrieden.


Auf der Alp "Uf de Hüble" kehrten wir ein. Es ist eine originale Alphütte, mit Holzfeuer und ohne Strom, aber mit Kafi Schnaps.


Auf dem Tisch ein Rotor als Fliegenvertreiber, mit Batterie angetrieben, der aus Australien stammt. Globalisierung in der Alphütte, die andern Gäste waren amerikanische Eye-Doctors und ein Schriftsteller, die Grossmutter wirtete im Oberländer Tempo.


Nun tauchten diese fantastischen Wasserläufe auf.


Der Weg zur Griesalp zog sich und war sehr anspruchsvoll zu gehen, immer diese verwinkelten Steintritte. Schliesslich erreichten wir müde die Griesalp und konnten unseren erschöpften Mitwanderer einem Autofahrer mitgeben, der ihn nach Reichenbach brachte.


Diese Etappe war sehr schön, aber auch sehr streng. Beim edlen Nachtessen im aufgestylten Griesalphotel beschlossen wir, am nächsten Tag nicht auf das Hohtürli zu steigen, sondern die Schönheiten des Kientals zu erwandern.


4. Tag Griesalp - Kiental - Kandersteg - Gemmi

Der Abstieg durch die Griesschlucht war schlichtweg spektakulär (ich weiss, alles ist spektakulär, aber die Landschaft im Berner Oberland ist einfach überwältigend).
In dieser Schlucht führt die steilste Postautostrecke Europas (bis 28% Steigung) nach unten.


Blick hinunter auf den Tschingelsee, eigentlich eher ein Delta.


Wasserfälle des Gornernbachs



Hexenkessel, rechts die Hexe.



Unten am Tschingelsee ist die Landschaft plötzlich lieblich.


Entlang des Flusses führt ein wunderschöner Wanderweg.


Man kann die Macht des Wassers sehen.


Kurz vor dem Ort Kiental nahmen wir die gemütliche Sesselbahn nach Ramslauenen. Der Weg nach Mittholz stellte sich als viel zu weit heraus, so wanderten wir schräg nach Kiental wieder herunter. Aber es heisst ja: Der Weg ist das Ziel.


Unterwegs sah ich dieses Windrad aus einer PET-Flasche. Es hatte auch sehr schöne Einzelbäume mit Bänklein darunter, doch dazu fehlte uns dann doch die Zeit.


In Reichenbach nahmen wir den Zug nach Kandersteg, dort die Sunnbühl-Bahn hinauf auf die Gemmi. Bei der Rast im Bergrestaurant konnte man in das Gasterntal hinein sehen.


Über die Gemmi ist das Wandern leicht, es ist eine grosse Ebene, die hinten Richtung Schwarenbach ansteigt.



Blick zurück.


Noch ein ruppiger Aufstieg und wir erreichten unser Tagesziel, das Berghotel Schwarenbach.


Wie immer müde und hungrig genossen wir die Gastfreundschaft in diesem sehr angenehmen Familienbetrieb der Familie Stoller. Danke vielmals.


5. Tag Gemmi - Leukerbad - Heimfahrt


Nun gings bei schönstem Wetter hoch zum Gemmipass, auf einem breiten geschotterten Weg.


Letzter Blick zurück auf das Berghotel Schwarenbach und die Berner Seite.


Schon waren wir beim Daubensee, hinten ist die Passhöhe erkennbar.


Diese drei Schafe waren die einzigen, die wir von der Herde der 600 Tiere sahen.


Und jetzt, wow! Die Walliser Alpen.


Wir stärkten uns im Restaurant und machen uns dann auf den Abstieg.Dazu brauchte ich etwa zwei Stunden, ich ging langsam und hielt immer wieder an, um die eindrückliche Felsenwelt zu bestaunen. Es kamen sehr viele Berggänger entgegen, welche die gut 900Hm bezwingen wollten, und alle schnauften mächtig.
Auf dieser Strecke ziehen auch die 600 Schafe auf die Alp und wieder hinunter.




Meine Wandergspänli warteten bei der Baumgrenze und wir machten die letzte Wanderrast.


Adieu Leukerbad und Gemmi, es war so schön.


Wir reisten mit dem Postauto nach Leuk (auch schon fast ein Abenteuer), dann mit dem Zug nach Visp und per NEAT durch den Lötschberg nach Thun, wo wir nach einem Bummel noch einmal einkehrten und ich dann meiner Wege ging.


Fazit: Fernwandern durch das Berner Oberland und hinüber ins Wallis - ein Erlebnis der Spitzenklasse.